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Indische Filme finden immer mehr Fans in Europa

Mit Filmen wie "Sometimes Happy Sometimes Sad" dringt die indische Filmindustrie in die westlichen Kinos vor. Doch auf dem heimischen Markt ist die Situation schwierig geworden. Hier müssen sich Produzenten und Regisseure neu orientieren.

58 Mio. Dollar. Auf diese Summe beliefen sich im letzten Jahr die Verluste der indischen Filmindustrie - besser bekannt als Bollywood. Doch während die Produzenten des Subkontinents ein "annus horribilis" erlebten, erfreuen sich ihre glamourösen Spektakel im Westen zunehmender Beliebtheit. "Lagaan" war im letzten Jahr für den Oscar© nominiert, "Kaante" und der Cannes-Beitrag "Devdas" spielten im Ausland immerhin einstellige Millionensummen ein. Crossover-Hits wie "Monsoon Wedding" und "Kick It Like Beckham" wären ohne Bollywood-Einfluß nicht denkbar.
Doch es gibt auch indische Produzenten, die in der Krise Erfolge feiern. Yash Johars "Sometimes Happy Sometimes Sad", der seit 10. April in Deutschland läuft, stellte mit einem Boxoffice von 15 Mio. Dollar einen neuen Rekord in Indien auf. In England schaffte er es unter die Top drei. Das ist umso bemerkenswerter, als er auf eine Formel setzt, die beim heimischen Publikum nicht mehr en vogue zu sein scheint: Ausladende Melodramen mit Komödienelementen und großen Musicalnummern. Doch Yohar versucht, diese Erzählmuster zu variieren, und er setzt konsequent auf Qualität: Das Drehbuch war ein Jahr in der Entwicklung. Der Look des Films ist opulent - mit einem Budget von zehn Mio. Dollar war "Sometimes Happy" eine der aufwändigsten indischen Produktionen überhaupt. Regie und Drehbuch lagen in der Hand von Johars Sohn Karan, der mit seinem Debüt "Kuch Kuch Hota Hai" für einen Superhit in Indien gesorgt hatte. Auch wenn Karan Johar weiter auf Familienmelodramen setzt, weiß er doch um die großen Umbrüche in Bollywood: "Weil die Zuschauer die alten Stoffe leid sind, werden jetzt alle Arten von Filmen produziert, von Action bis Horror." Trendsetter waren Thriller wie "Raaz", der 2002 mit einem Budget von umgerechnet 833.000 Dollar ein indisches Boxoffice von 4,2 Mio. Dollar erreichte.

Roland Joffé und Oliver Stone drehen in Indien

"Die Arten der Filme und Produktionsmethoden gleichen sich westlichen Standards an", so Karan Johar. Doch es gibt Spezifika der indischen Filmlandschaft, die nicht so schnell verschwinden werden. Dazu gehört die starke Differenzierung zwischen Produktionen für den regionalen und nationalen Markt. In den 29 Bundesstaaten werden Filme in der jeweiligen Regionalsprache hergestellt, die allein in ihrem Ursprungsstaat gezeigt werden. Nur von Bombay aus wird mit Filmen auf Hindi der gesamte indische Markt bedient. Das hat auch konzeptionelle Auswirkungen, die das Gesicht des typischen Bollywood-Films prägen: "Süd- und Ostindien mögen Emotionen, Tanz und Musik, der Norden mag eher Komödie, der Westen zieht dialoglastige Stücke vor", so Yash Johar. Weil alle Geschmäcker befriedigt sein wollen, sei es laut Yohar "schwieriger, einen indischen als einen englischen Film zu drehen". Die Entstehung eines Bollywood-Films ist vergleichsweise chaotisch. So stehen die Schauspieler meist parallel für verschiedene Produktionen vor der Kamera. Dreharbeiten können sich daher bis zu einem Jahr hinziehen. "Aber das wird jetzt geordneter und professioneller", meint Karan Johar.

Nach wie vor werden viele der Bollywood-Filme (2002 gab es insgesamt 132 Hindi-Produktionen) privat finanziert. Yash Johar ist sein eigener Investor. Nach entsprechenden Gesetzesänderungen vor drei Jahren kommen zunehmend Banken und andere institutionelle Finanziers an Bord. Neuerdings investieren auch Unternehmen anderer Branchen in Bollywood, um Steuervorteile zu nutzen. Berüchtigt sind die Finanziers aus Mafia-Kreisen. Doch deren Bedeutung hat sich laut Yash Johar gewaltig verringert: "In Indien konnte jeder Produzent werden, der mit Geld um sich warf. Doch jetzt sind Stars und Regisseure vorsichtig geworden und arbeiten nur mit Leuten, die erfahren und etabliert sind." Eine weitere Eigenheit ist die starke Familienprägung. So gibt es regelrechte Kinodynastien in Indien.

Während Bollywood beginnt, sich neu aufzustellen, orientieren sich auch westliche Produktionsfirmen Richtung Osten. Die Arbeit ist billig. "Während du im Westen ein Pfund ausgibst, musst du hier nur eine Rupie ausgehen", so Yash Johar. Erste Großprojekte sind schon in Aussicht. Roland Joffé will "The Invaders", ein Kriegsepos über die englische Eroberung Indiens, drehen. Teile von Oliver Stones "Alexander der Große" werden in Indien gedreht. Shekhar Kapur ("Die vier Federn") plant einen Bollywood-Film. Fürs Drehbuch ist "Truman Show"-Autor Andrew Niccol zuständig. Yash Johar denkt seinerseits in die andere Richtung: "Ich bin einer der ersten indischen Produzenten, der seine Filme nach Deutschland und in andere Territorien exportiert. Das ist für mich genauso wichtig wie der Erfolg in Indien."

Quelle: Blickpunkt:Film


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